Review (Kartenspiel): Im Weltall hört dich niemand schweigen! (Silent Planet)

Es ist still - ungewöhnlich still für einen gemeinsamen Spieleabend am Wochenende. Stumm kreisen die Augen der Anwesenden über den Spieltisch. Hier ein zögerliches Schulterzucken, dort ein kurzes Kopfnicken. Dann werden Finger auf Karten gerichtet und fragende Blicke ausgetauscht. Nur der Atem des Gegenübers ist zu hören. Zwischendurch plätschert etwas Wasser in ein Glas. Doch niemand sagt ein Wort.

Wir befinden uns auf dem Silent Planet - dem stillen Planeten. Hier läuft alles absolut stumm ab. Logisch. Keine Kommunikation ist möglich.
Wieso genau?
Nun, der Ort heißt SILENT PLANET!!
Ganz offensichtlich kann man hier nicht miteinander sprechen - die Anleitung lässt daran keinen Zweifel. Denn schließlich ist genau dies der besondere Kniff des kleinen Kartenspiels von Klaus Altenburger. Statt uns einfach ein Spiel mit farbigen nummerierten Karten aufzutischen und vorzugeben, dass die Mitspieler nicht reden dürfen, ist es dem Autor gelungen, seinen innovativen Ansatz durch das Weltall-Thema in einen ansprechenden Rahmen zu packen. So sind die Karten nicht nur optisch ansprechend - der Sci-Fi-Hintergrund erlaubt es auch, sich in die ungewöhnliche Spiel-Atmosphäre einzufinden.

So könnte die Auslage eines Spieler aussehen

Neue Form der Kommunikation

Die besondere Ausgangslage hat jedoch nicht zur Folge, dass die Kommunikation am Spieltisch zum Erliegen kommt und jeder nur noch auf sich selbst fixiert ist. Im Gegenteil: Silent Planet ist ein kooperatives Puzzle, bei dem die Spieler nach einer gemeinsamen Lösung suchen, indem sie ganz neue Wege der Kommunikation entwickeln. Das beginnt bereits bei der Auslage der eigenen Karten, die jeder zu Spielbeginn erhält. Dabei kann es sich um einen von fünf Alientypen handeln oder um einen sogenannten Translationsfusionator - eine Joker, der als jedes Alien zählt. Wir entscheiden, in welcher Reihenfolge wir unsere Karten verdeckt vor uns ausbreiten und welche Karten wir aufdecken wollen. Dies ist wichtig, da wie unseren Mitspielern damit einen Hinweis auf das System in unserer Kartenreihe geben.
Unser Ziel ist es nun, gemeinsam Alien-Teams zu bilden, die entweder aus fünf gleichen oder aus fünf verschiedenen Außerirdischen bestehen müssen. Dazu stimmen wir uns reihum - ohne zu sprechen - ab, welche verdeckte Karte wir von welchem Spieler in unser Team holen. Dabei werden Köpfe schief gelegt, Nasen gerümpft und ganz viel gestikuliert. Der Spieler über dessen Auslage gerade beraten wird, darf nicht mitkommunizieren.

Abwechslungsreiche Aliens bringen das Thema rüber

Silent Planet motiviert in den ersten Runden schon alleine deshalb, weil es sich wie eine ungewöhnliche Herausforderung anfühlt, die es zu meistern gilt. Jedes komplette Alien-Team löst ein kollektives Aufatmen aus und wurde von unserer Runde, die zwischenzeitlich wieder ihre Stimmen fand, gefeiert. Das Spiel ist kurz genug, um nicht einem gesamten Spieleabend die Sprache zu verschlagen und kann als willkommene 15-30-minütige Abwechslung eingestreut werden. Etwas Bedenken hatten wir in Bezug auf die langfristige Variation beim anfänglichen Auslegen der Karten. Schließlich scheint es immer den meisten Sinn zu machen, seine Karten aufsteigend von links nach rechts anzuordnen.
Manchmal hilft nur der Translationsfusionator
Doch je nachdem welche Starthände ausgeteilt werden, kann es auch hier zu interessanten Entscheidungen kommen - besonders bei der Frage, welche Karten man als Hinweise aufdecken soll. Denn diese Karten können später nicht mehr von den Mitspielern ausgewählt werden.

Die wortlose Wertung für dieses kleine Absacker-Spiel: Daumen hoch!

7. August 2022, von Sascha 'Gamethulhu' Kröner

Abwechslungsreiche Aliens bringen das Thema rüber
Manchmal hilft nur der Translationsfusionator
So könnte die Auslage eines Spieler aussehen

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