Review (Hardware): PXN VD4 Bundle
Mit dem PXN VD4 Bundle (4 Nm) richtet sich PXN klar an Einsteiger, die ein PC-kompatibles Komplettset zum attraktiven Preis suchen, dabei aber nicht auf moderne Technik verzichten möchten. Statt klassischer Zahnrad- oder Riemenantriebe, wie man sie noch von populären Modellen à la Logitech G29 oder Thrustmaster T300 kennt, setzt das VD4 bereits auf Direct Drive - ein Feature, das noch vor wenigen Jahren deutlich teureren Systemen vorbehalten war.
Seit 2020, als ich selbst mit dem Simracing begonnen habe, hat sich der Markt spürbar weiterentwickelt. Direct Drive ist mittlerweile auch im Einsteigersegment angekommen. Das PXN-Set orientiert sich optisch und konzeptionell stellenweise an bekannten Lösungen von Moza: Quick-Release, Pedale und Pedalplatte sind nahezu identisch aufgebaut.
In diesem Test schaue ich mir an, wie gut das Gesamtpaket im Alltag funktioniert - und ob der günstige Einstieg mit spürbaren Kompromissen erkauft wird.
Lieferumfang
Das PXN VD4 Bundle (4 Nm) wird als vollständiges Einsteiger-Set ausgeliefert und enthält alle notwendigen Komponenten für den sofortigen Einsatz am PC:
Lenkrad: W-AS Aluminium-Lenkrad mit Kunstlederbezug und 280 mm Durchmesser
Base: VD4 Direct Drive Wheelbase mit 4 Nm Drehmoment
Pedale: 2er PD-HM Pedale mit Hall-/Wegsensoren (keine Load-Cell-Drucksensoren), inklusive optionaler Zusatzfeder zur Erhöhung des Pedalwiderstands (Gas und Bremse, Kupplung nachrüstbar 39,99€)
Befestigung: Tischklemme zur Montage an Schreibtisch oder Tischplatte
Aufbau
Die Erstinstallation erfolgte zunächst am Schreibtisch. Der Aufbau gestaltet sich insgesamt unkompliziert und zügig: Base, Lenkrad und Tischklemme sind innerhalb weniger Minuten montiert und einsatzbereit.
Die Pedale fallen groß aus und stehen zwar grundsätzlich stabil, sind jedoch nicht vollständig rutsch- oder kippfest. Besonders mit eingesetzter Zusatzfeder neigen sie bei stärkerem Bremsen dazu, sich nach vorne zu schieben oder leicht anzuheben. In meinem Setup habe ich die Pedale daher direkt an die Wand gestellt, wodurch ein Verrutschen zuverlässig verhindert wurde. Je nach Sitzposition schiebt man sich beim Bremsen dann allerdings selbst etwas nach hinten.
Das ist weniger ein konkreter Kritikpunkt am PXN-Set, sondern eher ein generelles Thema größerer, realistisch ausgelegter Pedale ohne feste Fixierung. Das sollte man vor dem Kauf bedenken - es handelt sich hier ausdrücklich nicht um kleine „Stummelpedale“.
Ein Rennsitz oder ein festes Gestell sind daher klar zu empfehlen.
Der Lenkradaufbau überzeugt am Schreibtisch hingegen deutlich mehr: Die Base sitzt stabil, verdreht sich nicht und vermittelt selbst bei etwas kräftigerem Force Feedback einen soliden Eindruck. Für den Schreibtischeinsatz würde ich dennoch moderates Force Feedback empfehlen. Ruhigere Titel wie der Euro Truck Simulator oder der Farming Simulator lassen sich problemlos und ohne Einschränkungen spielen. Bei intensiveren Rennsimulationen oder stärkeren Effekten empfiehlt sich ein stabiles Rig, um Kontrolle und Komfort zu maximieren.
Anschließend wurde das komplette Setup an meinem Racing Rig montiert. In dieser Konfiguration zeigt das Bundle seine Stärken deutlich besser: Pedale und Wheelbase sitzen fest, nichts rutscht oder kippt, und das Bremsgefühl wirkt insgesamt kontrollierter und konsistenter. Am Rig macht das Set einen spürbar wertigeren und stimmigeren Eindruck als im reinen Schreibtischbetrieb.
Software & Inbetriebnahme
Die benötigte Software ließ sich problemlos installieren und ermöglichte einen schnellen Start. Die Benutzeroberfläche wirkt übersichtlich und aufgeräumt, sodass man sich auch ohne lange Einarbeitung schnell zurechtfindet.
Positiv ist, dass viele gängige Rennspiele bereits mit vorkonfigurierten Force-Feedback-Profilen hinterlegt sind, was den Einstieg deutlich erleichtert. Anpassungen sind selbstverständlich möglich, für Einsteiger aber nicht zwingend notwendig.
In den meisten Spielen gibt es jedoch keine vorgefertigten Lenkradbelegungen. Tasten und Achsen müssen manuell zugewiesen werden, was etwas Zeit in Anspruch nehmen kann. Unterstützung bietet hier der offizielle mit hilfreichen Schritt-für-Schritt-Guides und empfohlenen Ingame-Einstellungen für die gängigen Titel.
Die RPM-LED-Anzeige im Lenkrad kommuniziert derzeit noch nicht mit den Spielen, dürfte aber vermutlich per zukünftigem Software-Update nachgereicht werden.
Negativ ist, dass das Lenkrad-Update nach 40 Minuten noch nicht abgeschlossen war und der Status nicht einsehbar war. Solange die PRM-Anzeige pulsiert, sollte das Lenkrad weder vom USB getrenntnoch die App neu gestartet werden - das kann wirklich so lange dauern.
Tatsächlich ist es bei Lenkrad-Controllern nicht ungewöhnlich, dass ein Firmware-Flash so lange dauert. Die Übertragung zum Speicher erfolgt sehr langsam, da die kleinen eingebetten Controller die Daten nur in kleinen Blöcken schreiben können und jeden Block prüfen müssen, bevor er dauerhaft gespeichert wird. Letztendlich habe ich die Aktualisierung abgebrochen, dnach wurde das Lenkrad aber problemlos wieder erkannt. Ein Hinweis in der App vor Beginn der Updates wäre hier sehr hilfreich.
Fahrgefühl
Direct Drive
Direktantrieb bedeutet, dass ein Motor ohne Zwischenmechanik (also ohne Riemen, Getriebe oder Zahnräder) direkt mit der angetriebenen Welle mit dem Lenkrad verbunden ist. Es gibt als keine mechanische Übersetzung, keine Spielverluste durch das Getriebeoder einen Riemen. Man bekommt ein sehr präzises, direktes Fahrgefühl und Rückmeldung.
Forza Horizon 5(Fun-/ Arcade Racher)
Den Anfang machte Forza Horizon 5. Das Force Feedback hinterlässt einen gelungenen Eindruck: Die Effekte kommen direkt an, Druck und Vibrationen werden zuverlässig übertragen, und Unterschiede im Untergrund sind klar spürbar. Besonders beeindruckend ist die Darstellung der Unebenheiten im Sumpfgebiet von Horizon 5 - das Fahren über den Holzsteg macht wirklich Spaß.
Das VD4 liefert hier ein überraschend authentisches Fahrerlebnis und zeigt eindrucksvoll, dass Direct Drive mittlerweile auch im Einsteigersegment angekommen ist.
Le Mans Ultimate (Simulation)
Auch in Le Mans Ultimate funktioniert das Lenkrad hervorragend. Es reagiert sehr direkt, Quersteher lassen sich früh erkennen und problemlos abfangen. Kerbs, Bodenwellen sowie ABS-Vibrationen beim Bremsen werden sauber umgesetzt und tragen spürbar zum Fahrspaß bei.
Schnell sein kann man mit diesem Lenkrad definitiv. Das vergleichsweise kleine 280-mm-Lenkrad lässt die Wheelbase kräftiger wirken: weniger rotierende Masse und ein kürzerer Hebel, der dem Motor entgegenwirkt.
Das Setup wurde zudem über mehrere Stunden hinweg intensiv genutzt, ohne dass die Base spürbar warm wurde oder an Leistung verlor. Die Wheelbase ist passiv gekühlt und kommt ohne Lüfter aus - entsprechend leise ist der Betrieb.
Je nach Einstellung kann die kleine Base auch ordentlich Vibrationen erzeugen. Gerade bei starken ABS-Effekten dürfte das Lenkrad selbst in dieser Leistungsklasse die Nachbarn aufhorchen lassen - eine geräusch- und vibrationsdämpfende Unteralge ist daher zu empfehlen, um die Übertragung in den Boden zu minimieren.
Ein Punkt, der mich bei der Leistungsklasse überrascht hat. Die Pedale sind dank der Zusatzfeder gut und für den Preis sehr tauglich. Ohne zusätzlichen Widerstand ist mir die Bremse allerdings zu leicht ausgelegt. Die Bremskraft wird über die Pedalstellung erfasst, es kommt also ein Hall-Sensor und keine Load Cell mit Druckmessung zum Einsatz. Nach kurzer Eingewöhnung war ein präzises Dosieren problemlos möglich.
Clipping
Clipping bezeichnet im Simracing einen Zustand, in dem das Force Feedback an die Leistungsgrenze der Wheelbase stößt. Sobald das vom Spiel berechnete Drehmoment höher ist als das, was die Wheelbase tatsächlich liefern kann, werden diese Kräfte nicht mehr differenziert dargestellt, sondern auf den maximal möglichen Wert begrenzt. Die Rückmeldung „schneidet“ gewissermaßen nach oben ab. In der Praxis führt das dazu, dass sich unterschiedliche Fahrsituationen ähnlich stark anfühlen: Hohe Kurvenkräfte, harte Kerbs oder Lastwechsel liefern dann keine klar unterscheidbaren Informationen mehr.
Das Lenkrad wirkt in solchen Momenten dauerhaft schwer oder hart, während feine Details im Force Feedback verloren gehen. Gerade das Gefühl für Grip, beginnendes Unter- oder Übersteuern sowie Nuancen im Fahrbahnkontakt leiden darunter. Viele Simulationen bieten eine visuelle Anzeige, die Clipping sichtbar macht, indem sie dauerhaft den maximalen Ausschlag signalisiert.
Clipping ist deshalb unerwünscht, weil es die Informationsdichte des Force Feedbacks reduziert und sowohl die Fahrzeugkontrolle als auch den Fahrkomfort beeinträchtigt. Vermeiden lässt es sich in der Regel durch eine Reduzierung der Force-Feedback-Stärke im Spiel oder - sofern möglich - durch den Einsatz einer leistungsstärkeren Wheelbase. Ziel ist es, genügend Reserven zu haben, damit auch starke Kraftspitzen noch differenziert wiedergegeben werden können.
Haptik
Das Lenkrad fühlt sich hochwertig an, und die meisten Tasten sind gut erreichbar - auch dank des kompakten Durchmessers. Die rotierenden Schalter lassen sich durch Umgreifen gut bedienen. Für schnelle Anpassungen mit dem Daumen sind sie zwar etwas glatt, verfügen jedoch über eine klar spürbare Rastung, die präzises Verstellen ermöglicht.
Konkurrenz
Als direkte Konkurrenz zum PXN VD4 Bundle lässt sich vor allem das Moza R3 Bundle nennen, das in einem ähnlichen Preis- und Leistungssegment anzutreffen ist. Beide Sets zielen auf Einsteiger und Budget-orientierte Simracer ab, setzen auf Direct Drive und bieten ein sehr ähnliches Gesamtpaket. Positiv hervorzuheben ist der Quick Release aus Metall, bei Herstellern wie Fanatec ist dieser bei den Einstiegsmodellen mit einem Aufpreis verbunden.
Upgradeability
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die fehlende Upgradeability des Systems. Sollte man mit der maximalen Kraft der 4-Nm-Wheelbase nicht zufrieden sein, bleibt aktuell nur der komplette Neukauf eines stärkeren Systems. Ein modulares Leistungs-Upgrade - wie man es beispielsweise von der Fanatec CSL DD kennt, bei der sich das Drehmoment über ein stärkeres Netzteil erhöhen lässt - ist beim PXN VD4 leider nicht vorgesehen.
Das unterstreicht noch einmal die Ausrichtung des Bundles als abgeschlossenes Einsteigerpaket: Wer von Anfang an weiß, dass mittelfristig mehr Leistung gewünscht ist, sollte diesen Punkt bei der Kaufentscheidung unbedingt berücksichtigen.
Fazit
Mit dem PXN VD4 Bundle (4 Nm) gelingt ein günstiger und solider Einstieg ins Simracing am PC. Für rund 300 Euro erhält man ein vollständiges Direct-Drive-Setup inklusive Lenkrad, Pedalen und Befestigung - alles, was man für den sofortigen Start benötigt, ist im Paket enthalten. Gerade für Neulinge ist das ein großer Pluspunkt.
Klar ist aber auch: Das Bundle richtet sich ausschließlich an den PC. Konsolenkompatibilität ist nicht gegeben, da entsprechende Lizenzen zusätzliche Kosten verursachen würden und hier weggelassen wurden. Wer primär auf PlayStation oder Xbox unterwegs ist, muss sich daher anderweitig umsehen.
Die 4 Nm Drehmoment reichen für Funracer und gelegentliche Ausflüge in ernsthaftere Simulationen durchaus aus. Das Force Feedback ist direkt, sauber und vermittelt ein gutes Fahrgefühl. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung aus meinem Umfeld aber auch: Wer tiefer ins Simracing einsteigt und regelmäßig fährt, wird früher oder später an die Grenzen dieser Base stoßen. Sobald es die finanziellen Möglichkeiten erlauben, wechseln viele auf stärkere Wheelbases im Bereich von 9 bis 12 Nm - etwa auf Systeme wie eine Moza R9 oder R12.
Hinzu kommt die fehlende Upgradeability: Wer mehr Leistung möchte, muss das System komplett ersetzen. Ein modulares Leistungs-Upgrade, wie man es beispielsweise von der Fanatec CSL DD kennt, ist beim PXN VD4 nicht vorgesehen.
Unterm Strich ist das PXN VD4 Bundle ein überzeugendes Einsteigerpaket für PC-Fahrer, die möglichst günstig und für ein Maximalbudget von ca. 300€ in die Welt des Direct Drive einsteigen möchten und ein sofort einsatzbereites, wertiges Komplettset suchen. Wer jedoch bereits weiß, dass Simracing mehr als ein gelegentliches Hobby werden könnte, sollte den späteren Umstieg auf ein stärkeres System von Anfang an mit einplanen oder direkt eine stärkere Base anschaffen.