Hopetown kündigt spielbare Pre-Alpha für die nächsten 90 Tage an und verspricht Verzicht auf generative KI
Das kommende cRPG entsteht unter Beteiligung mehrerer Entwickler von Disco Elysium. Mit einer frühen spielbaren Version möchte Longdue gezielt Feedback aus der Community sammeln. Gleichzeitig stellt das Studio eine Richtlinie gegen generative KI vor und will die menschliche Urheberschaft bei der Entwicklung dokumentieren.
Das Entwicklerstudio Longdue hat einen Zeitplan für die Veröffentlichung einer spielbaren Pre-Alpha von Hopetown vorgestellt. Die frühe Version soll innerhalb der nächsten 90 Tage über Steam verfügbar werden – allerdings zunächst ausschließlich für Unterstützer der beiden höchsten Kickstarter-Stufen „Visionary“ und „Builder“. Wer noch Zugang erhalten möchte, muss die laufende Kickstarter-Kampagne bis zum 1. November 2026 unterstützen.
Die Pre-Alpha soll bereits umfangreiche Einblicke in das Rollenspiel bieten: Über 300.000 Wörter Dialogtext, rund fünf Stunden Spielzeit, acht Innenbereiche, einen Teil einer frei erkundbaren Stadt, zwei rekrutierbare Begleiter, 40 NPCs, acht Minuten Musik und zehn Nebenquests sind vorgesehen. Hinzu kommen der Prolog und das erste Kapitel der Hauptgeschichte.
Bestehende Unterstützer, die bereits am 15. Oktober 2026 der Stufe „Builder“ oder „Visionary“ angehörten, sollen die spielbare Version bis zum 1. Dezember 2026 erhalten. Neue Unterstützer dieser Stufen bekommen sie innerhalb von 90 Tagen nach Ende der Kickstarter-Kampagne. Als spätester Veröffentlichungstermin wird damit Januar 2027 genannt. Die Pre-Alpha soll nur für einen begrenzten Zeitraum verfügbar sein, damit das Team Rückmeldungen sammeln kann.
Neue Kickstarter-Stufen mit exklusiven Extras
Für Interessierte hat Longdue zwei zusätzliche Unterstützerstufen angekündigt, die bis zum 1. November verfügbar sind.
Quicksilver Edition: Auf 500 neue Unterstützer begrenzt. Sie umfasst den Zugang zur spielbaren Version innerhalb von 90 Tagen, die Vorteile der Stufe „Builder“, ein exklusives Outfit im Spiel sowie die Nennung des Unterstützernamens in einer Ingame-Zeitung.
Quicksilver Art Patron: Diese Stufe ist auf 15 neue Unterstützer begrenzt und enthält zusätzlich ein individuell von Hand gezeichnetes Porträt, das vom Art-Team von Hopetown angefertigt wird. Die übrigen Vorteile der Quicksilver Edition sind ebenfalls enthalten.
Feedback aus der Community soll die Entwicklung prägen
Die Pre-Alpha wird frühe Versionen wichtiger Spielsysteme enthalten, darunter das Veröffentlichen von Artikeln, das Führen von Interviews und das Sammeln von Beweisen. Die Rückmeldungen der Spieler sollen dabei helfen, diese Mechaniken gezielt weiterzuentwickeln und zu verbessern.
Eine Auswahl des Geschlechts für die Hauptfigur wird in der Pre-Alpha noch nicht enthalten sein, ist aber für die finale Version geplant. Umfangreiche Feedback-Systeme sollen es den Kickstarter-Unterstützern ermöglichen, detaillierte Rückmeldungen zu geben, die anschließend in die Weiterentwicklung zentraler Gameplay-Elemente einfließen.
Bereits zuvor hat Longdue nach eigenen Angaben auf Rückmeldungen aus der Community reagiert und den Grafikstil des Spiels überarbeitet. Einen Einblick in die Anpassungen gibt es in einem kürzlich veröffentlichten Video:
Longdue veröffentlicht Richtlinie gegen generative KI
Neben der Ankündigung der Pre-Alpha stellt Longdue eine umfassende Richtlinie gegen den Einsatz generativer KI vor. Das Studio verpflichtet sich darin, keine generative KI zur Erstellung von Grafiken für Hopetown einzusetzen. Die Richtlinie erläutert außerdem anhand konkreter Beispiele, welche Abkürzungen bei der Entwicklung von Spielen mithilfe generativer KI möglich sind und welche von Menschen ausgeführten Arbeitsschritte diesen gegenüberstehen.
Ein zentraler Bestandteil ist das sogenannte Certificate of Human Creation (CHC) – ein Nachweis menschlicher Urheberschaft. Damit sollen die einzelnen Entwicklungsphasen von Grafiken, Texten und Musik dokumentiert werden. Ziel ist es, die Entstehung der Inhalte durch menschliche Kreative nachvollziehbar festzuhalten und zu belegen, dass die Werke nicht von einer KI erzeugt wurden.
Longdue möchte darüber hinaus die Vorlagen und Verfahren für das CHC veröffentlichen, damit andere Studios das System für ihre eigenen Spiele übernehmen können. Langfristig ruft das Unternehmen auch dazu auf, ein unabhängiges Gremium einzurichten, das den Zertifizierungsprozess überwacht.

Als Beispiel für den dokumentierten Entstehungsprozess zeigt das Studio eine zunächst von Hand gemalte Textur und deren Weiterentwicklung über einen Zeitraum von knapp zwei Wochen. Longdue möchte mit solchen Arbeitsweisen nach eigener Aussage Arbeitsplätze schützen und den Einsatz generativer KI bei der Gestaltung von Spielgrafiken vermeiden.
Darum geht es in Hopetown
Hopetown spielt auf der fiktiven Bergbauinsel Eastern Entre, Jahrzehnte nach der sogenannten „Flare“ – einem koronalen Massenauswurf, der weltweit elektronische Geräte und Kommunikationssysteme zerstört hat. Auf der Insel entdeckte die De-Luna Corporation eine Substanz namens Quicksilver, die das Potenzial besitzt, die Welt erneut miteinander zu verbinden.
Die Spieler schlüpfen in die Rolle der jungen Journalistin Zola, die die Ereignisse rund um eine Unterbrechung des Bergbaubetriebs infolge eines Sturms untersucht und darüber berichtet. Dabei führt der Weg sowohl in die zwielichtigen Ecken der Insel als auch in die undurchsichtige Welt der Unternehmensüberwachung.
Drei unterschiedliche Klassen bestimmen den journalistischen Ansatz der Hauptfigur:
Correspondent: Eine investigative Journalistin, die Details präzise beobachtet und akribisch recherchiert.
Columnist: Eine modebewusste Kulturjournalistin, die darüber entscheidet, was angesagt ist und was nicht.
Gonzo: Eine sensationsorientierte Stimme, die für Aufmerksamkeit auch vor reißerischen Schlagzeilen nicht zurückschreckt.
Zusätzlich lassen sich der Hintergrund und das Geschlecht der Hauptfigur festlegen. Die eigenen Geschichten und die Art, wie sie erzählt werden, beeinflussen den Verlauf der Handlung, Beziehungen zu anderen Figuren, den Ruf bei den verschiedenen Fraktionen der Insel und sogar die Welt außerhalb von Eastern Entre.
Ehemalige Disco-Elysium-Entwickler an Bord
An Hopetown arbeiten mehrere Personen, die bereits an Disco Elysium beteiligt waren. Zum Team gehören unter anderem:
Martin Luiga, Gründer von ZA/UM und Autor von Disco Elysium, der die narrative Leitung übernimmt
Olga Moskvina, Autorin und Lektorin von Disco Elysium
Veljo Hagu, der erste Softwareentwickler von Disco Elysium
Lenval Brown, der Erzähler von Disco Elysium
Das Interesse am Projekt ist bereits groß: Laut Longdue nähert sich Hopetown der Marke von 100.000 Wunschlisteneinträgen.
Mit der spielbaren Pre-Alpha und der Veröffentlichung seiner Anti-KI-Richtlinie möchte das Studio nun sowohl die weitere Entwicklung gemeinsam mit der Community vorantreiben als auch seine Haltung zur menschlichen Kreativität in der Spieleentwicklung unterstreichen.